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Das 34. Open Ohr Festival stand unter dem Motto „Konsum“. Unter Konsum versteht man den Verbrauch von Waren bzw. Gütern.
In den letzten Jahren gibt es breite gesellschaftliche Bestrebungen, ein fundamentales Grundrecht ebenfalls als Ware zu deklarieren: das Recht auf Bildung. Bei der Diskussion über die Privatisierung von Bildung muss man immer im Blick haben, wer von der Privatisierung profitiert. Entsteht durch eine privatisierte Bildung auch eine Verknappung der Bildung? Können in Zukunft nur Kinder aus reichen Familien eine gute Bildung in der Schule bekommen? Fliehen die AkademikerInnenkinder aus dem öffentlichen Schulsystem auf die Privatschulen, um der „Mittelmäßigkeit“ zu entrinnen? Passenderweise widmete sich zu diesem Thema ein Podium auf dem Open Ohr. Unter dem Motto „PISA - Die Freiheit kauf ich mir“ sollte über die Kommerzialisierung des Bildungssystems und das grundlegende Verständnis von Bildung diskutiert werden. Diesem Anspruch wurde die Diskussion leider nicht gerecht.
LSV: Rückzug des Staates
„Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung zurück und überlässt der Wirtschaft die Bildung“, analysierte Felix Martens, Außenreferent der LandesschülerInnenvertretung (LSV) und verwies dabei auf immens gestiegene Ausgaben für Nachhilfe in Deutschland, die Gründung unzähliger neuer Privatschulen und die Einführung von Studiengebühren in vielen Bundesländern. „Gerade in Rheinland-Pfalz sind die öffentlichen Ausgaben für Bildung gestiegen und durch das Ganztagsschulprogramm verbessern wir die Durchlässigkeit im Schulsystem“, entgegnete Vera Reiss, Staatssekretärin im Bildungsministerium. Studiengebühren gäbe es ja außerdem nicht in Rheinland-Pfalz. „Aber was ist mit den Langzeitgebühren?“, fragte eine Person aus dem Publikum. Darauf wollte Reiss dann doch lieber nichts sagen.
Drei Personen auf dem Podium dominierten die Diskussion: Felix Martens, Vera Reiss und Max Laveuve, Vorsitzender des PhilologInnenverbands Rheinland-Pfalz. Dies mag auch daher rühren, dass gerade diese drei DiskutantInnen in letzter Zeit immer wieder auf Podiumsdiskussionen zusammentreffen, weshalb ihre Beiträge sehr monoton und einstudiert wirkten. Von Anfang an versuchten die DiskussionsteilnehmerInnen, sich auf diverse Nebenschauplätze zu flüchten.
Ausstieg in die Selbstorganisation
Den wirklich interessanten PodiumsteilnehmerInnen blieb dagegen vergleichsweise wenig Redezeit: Joachim Veigel, Vertreter des Privatschulverbands und Lenya Bock, Mitbegründerin des Freiburger Projekts Methodos (siehehierzu auch das ausführliche Interview in der unipress). Beide sind aus dem öffentlichen Bildungssystem ausgestiegen – allerdings auf grundverschiedene Weise. Joachim Veigel hat den Duktus von der Bildung als Ware bereits verinnerlicht. Er spricht gerne von SchülerInnen als KundInnen oder der Universität als Unternehmen. Den Unterricht begreift er als Vertrag zwischen LehrerInnen und SchülerInnen.
Gerade in linken und alternativen Kreisen ist die Privatisierung des Bildungssystems zutiefst verpönt und wird kategorisch abgelehnt. Muss man deshalb auch das Projekt von Lenya Bock und ihren MitschülerInnen verteufeln? Was machen sie anders als die traditionellen Privatschulen? Für ihre Idee, sich allein auf das Abitur vorzubereiten, mussten sie zehntausende Euro an Spenden sammeln, um LehrerInnen einzukaufen und Räume anzumieten.
Gerade bei ihnen spielen finanzielle Zuwendungen von privater Seite eine wichtige Rolle. Natürlich – ihr Verständnis von Bildung gründet sich auf Selbstbestimmung, Freiheit und die Demokratisierung des Schulsystems.
Sie grenzen sich bewusst ab von einem kommerziell geprägten Bildungsbegriff, der nur stur einer Verwertungslogik folgt, aber trotzdem funktioniert ihr Projekt nur mit viel Geld aus privaten Quellen. Können progressive BildungspolitikerInnen so etwas gut finden?
Hätten die PodiumsteilnehmerInnen diese Frage diskutiert, wären sie dem Thema der Veranstaltung gerecht geworden. Stattdessen ließen sich Martens, Reiß und Laveuve über die finanzielle Ausstattung von Ganztagsschulen aus oder diskutierten über die LehrerInnenausbildung.
Das Podium spiegelte die allgemeine Diskussion über Bildung in Deutschland wider. Anstatt sich grundlegend über das Bildungssystem auszutauschen, werden die Debatten zumeist oberflächlich und am Thema vorbei geführt. Wenigstens konnte sich Vera Reiss am Ende der Diskussion selbstreflektierend eingestehen, dass die eigentliche Frage des Podiums nicht diskutiert wurde.
Gerade die Privatisierung des Bildungssystems stellt eine immense Zäsur dar, die auch Auswirkungen auf gesamtgesellschaftliche Prozesse haben wird. Vor allem linke BildungspolitikerInnen werden sich eben auch die Frage stellen müssen: Ist Privatisierung prinzipiell schlecht?
Maximilian Pichl
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PodiumsteilnehmerInnen:
Joachim Veigel, Privatschulverband Rheinland-Pfalz
Vera Reiss, Staatsekretärin im Rheinland-Pfälzischen Bildungsministerium
Felix Martens, LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz
Lenya Bock, Abiturientin in Eigenregie aus Freiburg
Max Laveuve, Philologenverband Rheinland-Pfalz
Moderation:
Rouven Büsching, AStA Uni Mainz
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