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Die Einladung zum „Dialog“ des Energieriesen E.on ließen sich am 28. Mai einige Studierende nicht entgehen. Im Rahmen einer Uni-Tour 2008 bot sich das Unternehmen durch einen Informationsstand und eine Diskussionsveranstaltung auch an der Uni Mainz als „Gesprächspartner“ in Fragen der Energieversorgung an. Da der „Dialog“ eine kontroverse Auseinandersetzung nach sich zog, waren Hausverbote die Folge. Der seit Wochen durch ein EUKartellverfahren und seine aggressive Unternehmenspolitik in öffentlicher Kritik stehende Konzern E.on versucht derzeit, sich auf verschiedenen Ebenen mit direkten Werbemaßnahmen ein kunden- und klimafreundliches Image aufzubauen.
E wie Empörung
Wellen der Empörung in den öffentlichen Medien überschlugen sich im Februar, als E.on-Chef Wulf Bernotat verkündete, dass Strom in Deutschland noch immer zu billig sei – bei einem Nettogewinn des Konzerns von 9,2 Mrd. Euro und nach einer Anhebung der Stromtarife zum 1. Januar um 10 Prozent. Nicht nur die rücksichtslose kapitalistische Unternehmensführung sorgt für Kritik – allein im Jahre 2007 wurde 800.000 Menschen in Deutschland aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten der Strom abgedreht. Auch die in jeglicher Hinsicht unverantwortlichen Praktiken der Energiegewinnung bringen E.on in der öffentlichen Auseinandersetzung zunehmend in die Defensive.
89 Prozent der vermarkteten Energie gewinnt E.on aus fossilen Brennstoffen und risikoreicher Atomkraft – bei rückläufigen Anteilen regenerativen Quellen von derzeit 10,5 Prozent. Der Energiekonzern ist Anteilseigner an neun der elf deutschen Kernkraftwerke. Zum Kraftwerkspark gehören auch die durch mehrere Störfälle schlagzeilenträchtigen Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel. Atommüll wird zum Teil nach Russland verkauft, wo er unter freiem Himmel gelagert wird.
Ob er zum Bau von Nuklearwaffen verwendet wird, ist nicht geklärt. Auch die Gewinnung der hier in Deutschland verstromten Kohle findet unter unverantwortlichen Bedingungen statt, wie mehrere Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen kritisieren. Ein Teil der Kohle wird in Kolumbien unter katastrophalen Arbeitsbedingungen gewonnen, was unter Anderem zu massiven Gesundheitsproblemen und starker Umweltverschmutzung führt.
All diese Kritikpunkte nahmen sich etwa 30 Studierende zum Anlass, um umfassende Kritik an der Unternehmenspolitik des Konzerns zu äußern. Als KohlearbeiterInnen verkleidet zogen sie mit einem Straßentheater zur Mittagszeit über den Campus zum ReWi, um dort ihren Protest zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig informierten sie durch verschiedene Informationsmaterialien über Missstände und zeigten Alternativen ökologischer Energiegewinnung auf. Unterstützt wurde die Aktion durch ein Transparent der Initiative „Atomausstieg selber machen.“ Mit Strahlenschutzanzügen und Geigerzählern ausgerüstete AktivistInnen riegelten den E.on-Informationsstand vorübergehend als nuklear verseuchtes Sperrgebiet ab. Informationsbroschüren der Firma E.on wurden als Gefahrengut deklariert und vorsorglich entfernt.
Auch die von E.on angebotene Diskussionsveranstaltung am Nachmittag war im Gegensatz zu den bisherigen Terminen der E.on-Uni-Tour gut besucht – allerdings ausschließlich von KritikerInnen. Daher entwickelte sich eine Diskussion über gesellschaftliche Verantwortung energieversorgender Unternehmen und über die Tragfähigkeit der auf Atomstrom basierenden Zukunftskonzepte zur Energiegewinnung.
Die E.on-VertreterInnen präsentierten dagegen eine neoliberale Unternehmenspolitik fern jeglicher Verantwortung für Mensch und Umwelt. Verantwortung, so wurde erläutert, habe ein Unternehmen in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem lediglich gegenüber dem Markt – erst wenn „der Kunde“ durch seine Produktwahl dem Unternehmen verantwortungsvolles Handeln abverlange, müsse dieses sich diesen Vorgaben fügen. Dies gelte sowohl für die Energieerzeugung, als auch für die Gewinnung der Rohstoffe.
Durchsetzung der Konzerninteressen
Das Prinzip einer rücksichtslosen Durchsetzung der Interessen des Energiekonzerns gilt bei E.on nicht nur bei der Netzpolitik, wenn etwa kleinere (Öko-)Stromanbieter vom Markt verdrängt werden sollen. Auch gegenüber Studierenden der Uni Mainz ist es gängige Praxis. So sprach der geschäftsführende Leiter des ReWi allen Beteiligten der Aktion ein Hausverbot aus, welches mit der Störung des regulären Universitätsbetriebs begründet wurde. Da jedoch in der Zeit von 11.45 bis 12.15 Uhr keinerlei Veranstaltungen im ReWi stattfinden, muss angenommen werden, dass inzwischen kommerzielle Werbestände eher als fester Bestandteil eines universitären Betriebs angesehen werden, als der kritische Diskurs und die öffentliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlich brisanten Themen.
Kim Assmussen
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